Entwicklung zum größten Stadtteil Münsters

in der Zeit von 1950 bis 2000 (von Bärbel Reisener)


Hiltrup gilt als bedeutender Stadtteil Münsters mit hohem Wohnwert. Die Voraussetzungen dafür schufen umsichtige Hiltruper in den Gründerjahren um die Jahrhundertwende. Neben den bestehenden Straßenverbindungen in alle vier Himmelsrichtungen erzielte August Bernhard Schencking in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Gleisanschluss an die Bahnlinie Münster-Hamm und den Wasserweganschluss an den Dortmund-Ems-Kanal. Dadurch wurden der Gemeinde mit ihren damals ca. 700 Einwohnern Grundlagen für eine industrielle Entwicklung geschaffen.

 

Der wirtschaftliche Aufschwung begann 1903 mit der Gründung der Glasuritwerke durch Max Winkelmann. Weitere Betriebe der Eisenindustrie, der Industrie von Steinen und Erde, der Textil- und Holzindustrie siedelten sich in Bahnhofs- und Hafennähe an. Nach der Einweihung der neuen Pfarrkirche St. Clemens 1913 verlor der alte Ortskern rund um Alt-St. Clemens seine Bedeutung. Die Marktallee entwickelte sich zur Wohn- und Hauptgeschäftsstraße.

Nach dem zweiten Weltkrieg ließen umsichtige politische Entscheidungen Hiltrup zum dominierenden Stadtteil Münsters werden. Die Investitionen in den Fünfziger Jahren lagen vornehmlich im Straßen-, Kanalisations- und Schulbau, sowie in der Erschließung neuer Wohngebiete. 1950 wurden dem damaligen Amt St. Mauritz 880 Vertriebene zugewiesen; die Gemeinde zählte ca. 8000 Einwohner und erschloss die Baugebiete Ringstraße, Amelsbürener Straße und Lange Straße. Mit dem Bevölkerungswachstum entstand Schulraumnot. 1951 wurde an der Kardinalstraße die Ludgerischule als zweite Volkschule neben der Clemensschule an der Patronatsstraße eingeweiht. 1957 richtete die Gemeinde in Hiltrup-Ost die Marienschule als weitere Volksschule ein. Die Erschließung der Baugebiete Herdestiftung, Hülsheide und Blumenviertel erforderte 1964 eine Erweiterung der Marienschule. Für die evangelischen Schüler baute die Gemeinde die Paul-Gerhardt-Schule an der Bodelschwinghstraße.

Mit der Einweihung der Marienschule löste sich 1956 die Pfarre von der Mutterpfarre St. Clemens ab. Neue Vereinsgründungen belebten das Hiltruper Leben und boten Zugezogenen die Möglichkeit der Integration, Niederlassungen von Industrie- und Handwerksbetrieben nahmen ständig zu; teilweise pflegen sie heute weltweite Handelsbeziehungen. Auch die Polizei-Führungsakademie trägt den Namen Hiltrup durch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen für in- und ausländische Polizeibeamte des höheren Dienstes in alle Welt.

1961 lebten 10137 Personen in Hiltrup. Die Gemeinde baute zentrale Entwässerungsanlagen in Hiltrup-Mitte und Hiltrup-Ost. Der Jugendarbeit stand von 1956-1997 ein Jugendheim an der Patronatsstraße zur Verfügung. Seit 1999 ist die offene zeitgenössische Jugendarbeit im neuen Pfarrzentrum St. Clemens integriert.

1960 wurde das Baugebiet an der Lange Straße erweitert. Die Glasuritwerke bauten hier erste Wohnblocks für Werksangehörige, die später zürn Verkauf angeboten wurden in den folgenden Jahren entwickelte sich Hiltrup zu einem begehrten Vorstadtort. Die Erschließung der Baugebiete Musikerviertel, Hünenburg, Emmerbachtal, Herzkamp, Sandfortsbusch, Sternkamp, Termplerweg und Klosterwald trug zürn ständigen Wachsen der Bevölkerung bei. Flächendeckend wurden Kindergärten und Spielplätze errichtet. Es wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass in Hiltrup jede Schulform besucht werden kann. Die Johannesschule als Sonderschule besteht seit 1965. Seit der Neuordnung des Schulwesens 1968 lernen die Hiltruper Kinder in vier wohnortnahen Grundschulen: Clemensschule, Ludgerusschule, Marienschule, Paul-Gerhard-Schule. Im Schulzentrum am Klosterwald befinden sich die Hauptschule, die Johannes-Gutenberg-Realschule, das Immanuel-Kant-Gymnasium und das Kardinal-von-Galen Gymnasium, Die Musikschule, heute eine Zweigstelle der Westfälischen Schule für Musik, wurde 1973 eröffnet. In der Volkshochschule finden Erwachsene seit 1945 Möglichkeiten zur Weiterbildung. Die Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu gründeten 1905 ein Krankenhaus mit 16 Betten im ehemaligen Alten Pfarrhof. 1950 bauten sie an der Westfalenstraße ein Krankenhaus mit 175 Betten. Nach mehrfachen Erweiterungen wurde 2000 das 50-jährige Bestehen festlich begangen. Heute stehen den Patienten 426 Betten mit Fachabteilungen in den Bereichen Innere Medizin, Urologie, Anästhesie und Intensivmedizin, Diagnostische Radiologie, Neurologie, HNO, Augenheilkunde und Orthopädie zur Verfügung. Krankenpflegerinnen und Krankenpflegerwerden in der angegliederten Krankenpflegeschule ausgebildet.

Die Gemeinde förderte den Sport durch vielfältige Einrichtungen: Es entstanden 1963 die Reithalle, 1966 die Sportanlage Hiltrup-Ost, 1968 das Hiltruper Freibad, 1973 die Trimm-dich-Bahn, 1974 das Hallenbad und die Dreifachturnhalle an der Westfalenstraße. Die Gemeinde kaufte große Flächen zur Erweiterung des Hiltruper Erholungsgebietes rund um den Hiltruper See. Durch erfolgreiche Verhandlungen der Gemeindevertreter wurde das Hotel Krautkrämer errichtet, das den Namen Hiltrup weit über deutsche Grenzen hinaus bekannt macht. 1965 genehmigte das Land Nordrhein-Westfalen Hiltrup ein Wappen: das Sonnenrad und der Anker leuchten rot auf gelbem Grund.

1970 wurde die Nebenstelle des Amtes St. Mauritz von der Bahnhofstraße 64 an die Friedhofstr. 15 verlegt. Bis 2000 war hier Sitz der Bezirksverwaltungsstelle, Die Gemeinde wies weitere Gewerbegebiete am Merkureck und an der Hansestraße aus, die durch die Anbindung der Hansestraße 1990 sowie der Meesenstiege/Hohe Geest 1998 günstige Verkehrsanbindungen bildeten.

Die Hoesch-Röhrenwerke verlagerten 1966 ihren Betrieb nach Hamm. An diesem Standort produziert heute die dänische Rockwool-Mineralwoll-GmbH Dämmstoffe zur Wärme-, Kälte- und Schallisolierung. 1965 verkaufte Familie Winkelmann ihre Lackfabrik an die Badische Anilin- und Sodafabriken in Ludwigshafen (BASF). Heute trägt das weltweite Unternehmen den Namen BASF Coatings AG.

Weil die Hiltruper Sande erschöpft waren, schloss 1978 Leo Schencking sein Hiltruper Kalksandsteinwerk; es bestehen jedoch weitere Niederlassungen im In- und Ausland. Der Landwirtschaftsverlag eröffnete seinen Betrieb 1948. Mit dem Bau der Kanal- und Eisenbahnüberführung 1982 entstanden im gleichen Jahr neue Verwaltungs- und Druckereigebäude.

Seit ihrer Renovierung 1963 entwickelte sich Alt-St. Clemens langsam zum Zentrum der katholischen Gemeinde in Hiltrup-West. Nach elf Jahren Aufbauarbeit im dortigen Wirkungskreis machte Pater Bernhard Trilling sich 1994 auf den Weg nach Leipzig und stellte sich dort einem neuen Aufgabenbereich. Viele erinnern sich an ihn als einen Menschen, der andere begeistern und für eine gute Sache einspannen konnte. 1967 wurde die Clemenskirche nach den neuen Liturgiebestimmungen renoviert. Dabei verlor sie ihre Ausmalung, alte Altäre und weitere Innenausstattung. Die evangelische Gemeinde weihte 1970 die Christuskirche ein. Das alte Gotteshaus an der Hohen Geest wurde abgerissen. 1972 konnten das evangelische Pfarrzentrum und die Dienstwohnung bezogen werden. Auch in Hiltrup-Ost wurde ein Pfarrheim gebaut, das seit 1973 von jung und alt genutzt wird. Seit 1991 können Gläubige die neuapostolische Kirche am Osttor besuchen. Der alte Friedhof mit der 1962 erbauten Friedhofshalle in Hiltrup-Mitte bot nicht mehr genügend Grabstätten. Die Gemeinde legte 1965 den Waldfriedhof am Rande der Hohen Ward an; 1974 wurde dort die Friedhofshalle eingeweiht, 1999 haben Erweiterungsarbeiten begonnen. Für alte Menschen besteht seit 1968 das Marienheim, es wurde 1990 erweitert. Senioren finden Wohnungen mit Betreuungsvertrag durch das Altenhilfezentrum St. Clemens seit 1998 im Bernhard-Poether-Haus an der Patronatsstraße, seit 2000 im Meyer-Suhrheinrich-Haus, Am Kalvarienberg.

Die Freiwillige Feuerwehr bezog 1966 ihr neues Gerätehaus an der Friedhofstraße. Seit 1973 bietet der Wochenmarkt an der Moränenstraße ein reichhaltiges Angebot.

Zum Zeitpunkt der Eingemeindung stand in Hiltrup die Stadthalle im Rohbau; 1980 feierten viele Hiltruper ihre Fertigstellung. Mit allen Voraussetzungen für die selbständige Versorgung als Kleinstadt ausgerüstet, fügte sich der Hiltruper Gemeinderat mit Bürgermeister Dr. Franz Tolle nur widerwillig am 1.1.1975 dem Gesetz der Landesregierung zur Eingemeindung. 80% der Bevölkerung votierten in einer Abstimmung dagegen. Anstelle des Gemeinderates vertritt heute die Bezirksvertretung unter dem Vorsitz des Bezirksvorstehers die Interessen der Bürger unseres Stadtteils. Ratsvertreter aus Hiltrup-Mitte, Hiltrup-Ost, Hiltrup-West, Amelsbüren und Berg Fidel sitzen im Rat der Stadt Münster, um neben der Wahrnehmung gesamtstädtischer Interessen insbesondere auch die Anliegen ihres Stadtbezirkes durchzusetzen. Der südliche Stadtteil ist der größte Stadtteil Münsters und führt als einziger den Namen der ehemaligen Gemeinde in der Benennung Münster-Hiltrup weiter. Er umfasst die ehemaligen Orte Hiltrup, Amelsbüren und den Stadtteil Berg Fidel und zahlte im Jahr 2000 35817 Einwohner, wovon 24970 in Hiltrup wohnen. Nach der Eingemeindung zeichneten sich weitere Fortschritte ab.

Seit 1983 verfügt das Immanuel-Kant-Gymnasium über eine eigene Turnhalle; 1997 wurde das Ruder- und Tauchsportzentrum an der Alten Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals seiner Bestimmung übergeben, 1999 wurde das Kant-Gymnasium erweitert und 2000 das Winfried-Borgmann-Forum eingeweiht. Die Fußballabteilung des TUS erstellte 1983 mit viel Eigeninitiative ihr Clubhaus. 1998 wurden ein neues Umkleidegebäude und ein Jugendtreff seiner Bestimmung übergeben. Seit 1999 erfreut sich die Beachvolleyball-Anlage im Stadion Hiltrup-Ost großer Beliebtheit. Die ehemalige Pfarrbücherei wurde 1983 Stadtteilbücherei, geführt von zwei hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Das Hiltruper Museum gründete sich 1984 in Eigeninitiative des Heimatvereins. 14 Jahre standen im Obergeschoss der ehemaligen Dampfmühle Wentrup Ausstellungsräume zur Verfügung. Seit 1998 befindet es sich in der „Alten Feuerwehr“ in der „Neuen Mitte“. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter führen die kulturelle Einrichtung, August Krause (+1996) erwarb sich als Mitbegründer hohe Verdienste. Die 180 rn2 große Fläche zeigt die Entwicklung der Stadtteilgeschichte. In regelmäßigen Abständen werden Wechselausstellungen präsentiert.

Der Hiltruper Circus Alfredo gab 1986 seinen ersten Auftritt im Ort. 1998 blickte die Pfarrbücherei St. Marien auf ihr 40 jähriges Bestehen zurück. Von anfänglich 800 Büchern ist das Angebot auf über 6000 Medien angewachsen. Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven übergab 1987 die Sportanlage Hiltrup-Süd ihrer Bestimmung.

Den Hiltruper Bahnhof zeichnet eine wechselvolle Geschichte. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und dient nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck. Seit 1989 lädt eine Jugenddiskothek zu regelmäßigen Veranstaltungen ein. die Stadt Münster ist seit 2000 Eigentümer, über eine weitere Nutzung ist noch nicht entschieden. Eine am Bahnhof eingerichtete Skater- und Fahrradstellanlage wurden 2000 ihrer Bestimmung übergeben. Im gleichen Jahr erfolgte der Abbruch. Weitere neu erschlossene Baugebiete in Hiltrup-Ost und Hiltrup-West ziehen wieder Neubürger in den Stadtteil, Neu eingerichtete Kindergärten und Spielplätze genügen flächendeckend ihrem Bedarf. Ein ausgeschildertes Radwegesystem leitet Radfahrer durch das Hiltruper Erholungsgebiet und in die umliegenden Orte. Auch Reitfreunde finden beschilderte Wege.

Die Hiltruper Missionare vorn Heiligsten Herzen Jesu feierten 1997 ihr hundertjähriges Jubiläum. Ihr Missionshaus zeichnet eine bewegte Geschichte. Die Missionare verkauften 1975 das Gebäude an der Westfalenstraße an das Land NRW und bezogen ein neues Kloster am Klosterwald. Private Investoren bauten das erste Klostergebäude zu einem Wohnheim für Studierende um. Seitdem wohnen hier Studentinnen und Studenten aus aller Welt in insgesamt 169 Appartements. Die Hiltruper Missionarinnen feierten ihr hundertjähriges Bestehen 2000 mit einer Festwoche und einer Sonderausstellung im Hiltruper Museum.
Mehrmals im Jahr zeigt sich das eigenständige Bewusstsein der Hiltruper in Großveranstaltungen. Die Kaufleute organisieren seit 1980 die Hiltruper Gewerbeausstellung (HiGa) im Zweijahresrhythmus, den Weihnachtsmarkt seit 1986 jährlich. Seit 1997 ersetzen Lichterketten die gewohnten und beliebten Sterne der Hiltruper Weihnachtsbeleuchtung. Vereinzelt strahlen einzelne Sterne inzwischen wieder im alten Glanz. 1993 feierte die Stadt Münster das 1200 jährige Stadtjubiläum; Hiltrup zeigte sich mit der Einweihung des Brunnens an der Clemenskirche und einem Stadtbezirksfest mit dem von den Hiltruper Institutionen organisierten Umzug von seiner besten Seite.

Das regelmäßige Erscheinen des Hiltruper Anzeigers trägt seit 1996 zur Identifikation Hiltrups bei. Weil an der Malteserstraße ein neues Baugebiet entstand, wurde ein neuer Abfall-Sammelplatz 1997 an der Glasuritstraße eingerichtet.

1999 begann der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals. Der 1899 für Schleppkähne ausgebaute Kanal war die erste Wasserstraßenverbindung der deutschen Nordseehäfen mit dem Ruhrgebiet. Mit dieser Baumaßnahme soll der Dortmund-Ems-Kanal für Großmotorschiffe und Schubverbände ausgebaut werden. Dadurch wird eine Entlastung für den Straßengüterverkehr erwartet. Seit 1990 bestehen Planungsansätze zur Umgestaltung der Marktallee, die Arbeiten begannen im Herbst 2000- Die Bauarbeiten für eine Moschee an der Hansestraße setzten im gleichen Jahr ein. Im Frühjahr 2000 bezog die Bezirksverwaltungsstelle gemeinsam mit der Hiltruper Polizeidienststelle die „Neue Mitte“ an der umgestalteten Patronatsstraße. Die alte Clemensschule wurde in das umfangreiche Bauvorhaben integriert. Zur Jahrtausendwende bietet der Stadtteil Münster-Hiltrup ein plurales Angebot im Wohn-, Bildungs-, Gewerbe-, Industrie-, Kultur-, Gastronomie-, Gesundheits- und Erholungsbereich.

Termine

Sep
1
Stadtschützenfest
bis zum 2.Sep
Ort: Schlossplatz Münster
Sep
22
Oktoberfest
ab 19:30 Uhr
Nov
4
Seniorennachmittag

Ort: Pfarrzentrum
Feb
17
Mitgliederversammlung

Ort: Stadthalle Hiltrup
Jul
12
Schützenfest
bis zum 15.Jul

Newsletter

Interesse an stets aktuellen Informationen, und das auch noch automatisch per e-Mail?

Dann einfach zu unserem Newsletter anmelden:

@

Ja, ich möchte mich für den Newsletter-Service

mobiler Schießstand

Fragen zu unserem mobilen Luftgewehrschießstand?

-zum Kontaktformular-

-weitere Informationen-